Carp-Hunters-Magazine Ausgabe 18-2010
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Wintersession 2010
Nun bin ich wieder zuhause! Klirrende Kälte lassen meine Glieder ersteifen und die Heizung in meinem Auto konnte mich auch nicht richtig auf Temperatur bringen. Zwei Tage Karpfenangeln lagen hinter uns und ich freue mich nur noch auf eine heiße Badewanne. Mein Tackle darf bis heute Abend im Wagen verweilen, viel zu kalt ist mir um meine Gerätschaften noch einzumotten!
Die Vorgeschichte zu dem Vorhaben des Winterfischens begann schon im Spätsommer. Björn rief mich aufgeregt an und erzählte von einem Privatgewässer mit einem dünnen Besatz an Karpfen. Gefangen wurden unsere Freunde wohl noch nie, da der See noch nicht gezielt beangelt wurde. Lediglich große Grasskarpfen werden regelmäßig beim Sonnenbaden beobachtet. Der See soll zuletzt vor einigen Jahren mal mit Karpfen besetzt worden sein, sodass man eigentlich davon ausgehen kann, dass die Fische schon zu stattlicher Größe heran gewachsen sein sollten! Da Björn mit seiner charmanten Art es immer wieder schafft einem Honig um den Bart zu schmieren, war ich nach einigen Minuten telefonieren ebenfalls hin und weg. Ich musste dieses Gewässer einfach mal sehen, um mir meinen eigenen Eindruck zu machen.
Wir fuhren am folgenden Wochenende zum Gewässer und schauten es uns genauer an, wir loteten und betrachteten die teilweise Tennisplatzgroßen Krautfelder. Ein Fischen im Sommer oder Herbst stellte sich als relativ schwierig heraus und die Tatsache, dass das Kraut doch überall wucherte bestätigte unseren ersten Eindruck. Da fiel das Wort Wintergewässer?! Wir schauten uns erstaunt an und bei 25 Außentemperatur planten wir das Gewässer im Winter zu befischen. Wir brauchten uns ja keine Sorgen machen, da wir durch Björn seine Beziehungen das Gewässer aus Karpfenangler Sicht für uns alleine hatten. Auffällig waren zwei kreisrunde, von Kraut völlig freie, Stellen zu. Das Echolot zeigte an diesen Stellen 8-10 Meter an und die Stellen hebten sich von der Durchschnittstiefe von 3-4 Metern doch deutlich ab. Hinzukommt das die Spots sehr ufernah lagen und man leicht die Plätze ohne großen Aufwand befüttern kann.
Im Herbst kreierte ich einen Boiliemix, den ich in abgewandelter Form generell im Winter im einsetze und mein Erfolg mir über die letzten Jahre auch Recht gab. Mehrere Kilo Boilies drehte ich ab und da man sich die Arbeit ja teilt, übernahm Björn den Part des Fütterns. Mittlerweile war es Oktober und ich plante den ersten „Probeansitz“ an dem für mich auch neuen Gewässer. Eine Nacht- nur mal so zum Testen! Wir hatten alles richtig gemacht! Wir konnten auf unseren Futterplätzen zwei im Morgengrauen zwei schöne Fische um die 15 Kilo landen! Das Gewässer hatte den ersten Test bestanden!
Es fiel uns unwahrscheinlich schwer das Gewässer nicht weiter zu befischen, jedoch sollte es doch unser Wintergewässer sein! So brachten wir über die Wochen nur Futter in Form von meinen Miniboilies ein. Keine Montage verirrte sich im Gewässer. Unser Plan war es das Gewässer zwischen Weihnachten und Neujahr 2009 zu befischen.
Endlich war es soweit! Ein anstrengendes Arbeitsjahr ging dem Ende entgegen und unser Winterfischen rückte immer näher. Aber wie auch im wahrem Leben, nach dem Motto „Irgendetwas ist ja Immer“ machte uns die Grippe ein Strich durch die Rechnung! Generell nicht weiter Schlimm, da unser Gewässer ja brach lag. Jedoch begannen die Gewässer im Norden langsam zuzufrieren. Es blieb uns nur noch ein Wochenende im Januar 2010. da Björn noch nicht richtig fit war, übernahm ich den Part des Fütterns unter der Woche. Pro Futterplatz streute ich 1 Kilo Miniboilies großflächig ab. Das Vertrauen war da, auch wenn wir Nachts schon Aussentemperaturen von – 5 bis -10 Grad hatte. Das erste Randeis bildete sich ebenfalls und ich hoffte nur das ein Fischen zum Wochenende noch möglich war.
Dann kam der ernüchternde Anruf von Björn: das Gewässer ist fast zugefroren!
Schnell machte ich mich ebenfalls auf den Weg zum Wasser und … Eis wohin man schaute! Lediglich ein Loch von ca. 15 Metern Durchmesser war noch eisfrei, eine unserer Futterstelle auf 10 Meter Wassertiefe. Wir entschlossen uns trotz allem zu Fischen. Ich trat zurück und gab Björn den Vorzug, den es sollte nur vorerst nur zwei Ruten sein die platziert werden sollten. Björn baute sein Camp auf und ich beschäftigte mich das Randeis mit Hilfe meiner Wathose und Stormsticks frei zu stechen. Die Dunkelheit brach ein und wir vergnügten uns mit Tee in rauen Mengen, denn es war bitterkalt. Mein Dome baute ich nicht auf, ich zog es vor in meinem Bus zu schlafen. Aber ohne Standheizung war es auch hier nicht gerade Angenehm.
Aber ein guter Schlafsack ist halt auch etwas feines. Am nächsten Morgen weckte ich Björn und verlangte nach einem Heisgetränk. Nur beiläufig fragte ich mal an: und? Ging was? Natürlich nicht, erwiderte Björn, obwohl ich hatte wohl einen Anfasser- kann auch ein Schnurschwimmer gewesen sein! Joh, dachte ich nur! Was das wohl für ein Anfasser war!
Nachdem wir uns mit einem Kaffee aufwärmten, beschloss Björn seine Rute noch mal zu kontrollieren. Es war kein Köder mehr am Haar? Doch ein Fisch? Oder eventuell noch aktive Wollhandkrabben oder Krebse? Ich ging meiner Arbeit der Randeisbefreiung nach und Björn köderte neu an. Noch eine Handvoll gecrushte Boilies hinterher und der Kocher für die Heißgetränke ging wieder an. Wir plauderten über das bevorstehende Jahr und unsere Vorhaben, als plötzlich der Bissanzeiger an der Rute zarghafte laute von sich gab! Rute in die Hand und Anschlagen- Da ist was dran! Zum Glück hatte ich die Wathose noch an und so konnte ich den Fisch sicher am Ufer keschern! Ein toller Fisch mitten im Winter! Jetzt wurde es hektisch, da bei den eisigen Temperaturen der Fisch schnell versorgt werden musste. Es lief wie von selbst, echte Teamarbeit halt! Wir einigten uns darauf bis zum Nachmittag noch weiter zu verweilen. Aber eine weitere Nacht fischen schien aussichtslos, da das eisfreie Loch immer kleiner wurde und ich mit Wathose und Stormsticks auch nur begrenzt entgegenwirken konnte. Nach einer Weile der Ruhe meldete sich der Bissanzeiger von Björns Rute erneut, aber es war schon im Vorwege toll zu sehen, wie die Rutenspitze sich leicht neigte und zu zittern begann. Auch der Anschlag saß und der Ritt begann! Ein völlig untypischer Drill bot sich uns da, und wir dachten erst schon an einen stattlicher Raubfisch. Aber da zeigte sich der Fisch vor meinen Füssen, denn ich stand ja erneut im Wasser mit Wathose und Kescher. Ein Grasser! Mitten im tiefsten Winter ein Grasskarpfen mit einer Länge von 125 cm und deutlich über 15 Kilo! Auch diesen Fisch versorgten wir zügig und ich verbrachte noch einige Minuten im Wasser um den Fisch zu stützen, bis er mir seicht auch den Fingern glitt! Jetzt noch einen Schuppi und du hast alles gefangen was geht, witzelte ich bei der geschätzten 20 ten Tasse Kaffee. Da begann die Rute erneut zu zittern, mit einer gewissen Routine machte sich Björn dran den nächsten Fisch zu landen. Erneut ein farbenfroher Winterkarpfen der XL Klasse präsentierte Björn mir in die Kamera. So ging der Tag zu Ende und wir packten das Tackle zusammen. Wir waren beide sehr zufrieden. Björn fing tolle Fische und ich war sehr zufrieden, dass mein Boiliemix so gut eingeschlagen hatte! Winterfischen der extra Klasse mit super Fischen! Einige Fragen sich jetzt bestimmt, warum auch ich nicht einen Fisch gedrillt hatte? Ich kann euch beruhigen, Björn bot es mir mehrmals an!
Ja nun sitze ich hier im Warmen und lasse die Zeit Reviue passieren, kurz zuvor rief Björn mich an: Jetzt ist das Gewässer zugefroren!
Ein Ansitz in letzter Minute, obwohl das Jahr doch erst begann!
Catch your Dream…
Björn Brockmann & Mario Marlin

